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Kiels Christian-Albrecht-Universität feiert 350. Geburtstag

Autor: Horst Schinzel am 05.10.2015

CAU

(Von Horst Schinzel) - An diesem Montag-Nachmittag hat die Kieler Christian-Albrecht-Universität mit einem Festakt in der Nicolai-Kirche am Markt ihren 350. Geburtstag gefeiert. Ehrengäste waren Ministerpräsident Albig und die Schwester er dänischen Königin Benedikte zu Sayn-Wittgenstein Am 5. Oktober 1665 hat Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf – zu dieser Zeit Fürstbischof von Lübeck – im Auftrage seines Vaters die Kieler Universität als Fürstenschule gegründet Als Morgengabe erhielt sie die Hofbibliothek aus dem Eutiner Schloss Der Norddeutsche Rundfunk hat auf seiner Kulturwelle die Zusammenhänge dargestellt:

Foto Uni Kiel

Es beginnt mit einem Bedarf.
Vor allem die Nachfrage nach gut ausgebildeten Priestern steigt zu Zeiten der Reformation drastisch. Hinzu kommt, dass immer mehr Bürgerliche wichtige Aufgaben in der Verwaltung übernehmen sollen. Daher entsteht bei den Herzogtümern Ende des 16. Jahrhunderts der Wunsch nach einer eigenen Universität. Doch es soll zunächst eine Idee bleiben. Grund: die Kriege zu Beginn des 17. Jahrhunderts und der Streit zwischen Herzögen und König. Nachdem Herzog Friedrich III mit seinen Universitätsplänen beim Kaiser gescheitert war, beauftragt er seinen Sohn Christian Albrecht Zwischen 1873 und 1876 entsteht der Hauptbau im Kieler Schloßgarten.

Im Jahr 1660 schafft es dann Christian Albrecht, Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, die Pläne in die Tat umzusetzen. Doch wo soll die neue Universität entstehen? Zur Auswahl stehen Schleswig und Kiel. Christian Albrecht entscheidet sich für Kiel, die aufstrebende holsteinische Handelsstadt. Am 5. Oktober 1665 schlägt die Stunde Null für die Universität - in einem ehemaligen Franziskanerkloster mit vier Hörsälen und einer Bibliothek. 17 Professoren unterrichten in den Fächern Theologie, Medizin, Jura und den freien Künsten.

Ende einer Durststrecke
Einen Aufschwung erlebt die Hochschule 100 Jahre später. Denn Kiel ist in Besitz der russischen Zarin Katharina der Großen. Ihr verdankt die Universität auch ihre Farben Lila und Weiß. Glanz und Ruhm setzen sich auch nach der Vereinigung der Herzogtümer 1773 fort - als nördlichste deutsche und südlichste skandinavische Hochschule. Fast 100 Jahre später entwickelt sich die Universität nicht weiter. Schleswig-Holstein gehört zu Preußen, die Kieler Uni wird damit zu einer von vielen. Jedoch nimmt die Zahl der Studenten ab 1870 wieder zu - und 38 Jahre später dürfen sich auch Frauen einschreiben.

Braune Welle erreicht Kiel
Im Jahr 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht in Deutschland. Die Kieler Hochschule ist nur eine von vielen, die die Nazis in dieser Zeit gleichschalten. Sie vertreiben jüdische Professoren und verfolgen Andersdenkende. Im Zweiten Weltkrieg steht die Uni nicht nur deshalb kurz vor dem Aus. Viele Unterrichtsgebäude liegen in der Kieler Innenstadt und werden durch alliierte Luftangriffe zerstört. Eine Brandbombe trifft 1942 auch die Universitätsbibliothek und zerstört den Großteil der Bestände.

Neuanfang durch Neuaufbau
Mithilfe der Engländer kann die Universität aber bereits im November 1945 wieder unterrichten - anfangs provisorisch auf Schiffen. Etwa 2.000 Studenten zählt die Uni in dieser Zeit. Am Kieler Westring entsteht in den 1960er-Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Waffenfabrik der neue Campus mit Bibliothek, Universitätskirche und dem Auditorium Maximum. Die Studentenunruhen Ende der 1960er-Jahre gehen aber auch an Kiel nicht vorbei. Streiks und Proteste unter dem Motto "Unter den Talaren der Muff von 1.000 Jahren" führen zu einer moderneren Universitätsstruktur.

Im Jahr 1972 erweitern Gebäude in der Olshausenstraße und die neuen Sportstätten den Campus. 1991 eröffnet in Kiel-Gaarden die Technische Fakultät. Die Zahl der Studenten steigt stetig: 10.000 in den 1970er, 15.000 in den 1980er bis hin zu 25.000 Menschen heute. Die CAU hat sich nicht nur zu einer international angesehenen Hochschule entwickelt, sie ist zugleich einer der größten Arbeitgeber der Landeshauptstadt.

Dazu Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig
In der Anfangszeit war die Universität mit einer eigenen Gerichtsbarkeit und Steuerfreiheit für ihre Dozenten ausgestattet und stand gleichberechtigt neben den adligen Stiften, dem Adel und der städtischen Bürgerschaft. Mit dem Vertrag von 1773, durch den Holstein und Kiel dem dänischen Gesamtstaat angehörten, wurde sie zugleich nördlichste deutsche und südlichste skandinavische Universität. Heute sind die engen und freundschaftlichen Beziehungen zu dänischen Hochschulen wichtiger Bestandteil der internationalen Orientierung der Universität und Ausdruck der guten Beziehungen zwischen Dänemark und dem Land Schleswig-Holstein.

Die Christiana Albertina musste auch schwierige Zeiten wie den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg überstehen. Sie war in dieser Zeit streng nationalsozialistisch ausgerichtet und hat ihre jüdischen Mitglieder frühzeitig aus der Universität vertrieben. Der zweite Weltkrieg führte zu einer fast vollständigen Zerstörung der Gebäude und einem erheblichen Rückgang an Studierenden. Diese Phase zu überwinden heißt auch, sie nicht zu verschweigen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Dieser Aufgabe stellt sich die Universität in angemessener Weise, so dass sie selbstbewusst nach vorne schauen kann. 350 Jahre Geschichte der Christiana Albertina ist eine Geschichte des ständigen Wandels. Ich freue mich, dass wir heute anlässlich des Geburtstages feststellen können: Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist eine moderne Universität mit hohem Ansehen in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft. Sie ist stark in der Forschung und in der Lehre, sie pflegt enge Kooperationen mit anderen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und sie versteht sich als Dienstleisterin für die Region und das ganze Land.

In ihren vier Forschungsschwerpunkten Meereswissenschaften, Lebenswissenschaften, Gesellschaft, Kultur und Umwelt im Wandel sowie Nanowissenschaften und Oberflächenforschung zieht sie Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland an und hat internationale Sichtbarkeit erlangt. Auch ein Wunsch der Gründer aus dem Jahr 1665 hat sich erfüllt: Längst ist die Hochschule ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftsfaktor und bedeutender Arbeitgeber für die Kiel-Region.

Die kommenden Jahre stellen an die Christian-Albrechts-Universität neue Anforderungen. Die Zahl der Studierenden wird einerseits durch den demografischen Wandel und andererseits durch den steigenden Studierendenanteil eines Jahrganges beeinflusst. Die Universität arbeitet deshalb längst an Strategien, um auf die zunehmende Heterogenität unter den Studierenden zu reagieren. In der Forschung wird sie sich immer wieder neu dem harten Wettbewerb um die auch in Zukunft knappen Forschungsmittel stellen müssen. Die Diskussion mit der Gesellschaft über Forschung, deren Ergebnisse, Chancen und Grenzen wird unter ethischen und sozialen Aspekten sowie unter Umweltgesichtspunkten viel intensiver geführt werden müssen, als dies heute der Fall ist.


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